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Grundaussagen:
 

Die ganze Konzeption und Praxis von Entwicklung ist eine Reflexion der nordwestlichen Hegemonie über die gesamte Welt.

Entstand in den 1990er Jahren aus der Kritik von Entwicklungsprojekten und Entwicklungstheorien, die die westliche Hegemonie rechtfertigten.

Die Entwicklungstheorie ist eine akademische Erfindung, die eine politische Ideologie begründen soll.

Entwicklungsforschung soll sein: politisch determiniert, problemorientiert, ist nur effektiv im Sinne einer vorausbestimmten sozialen Theorie.

Die aktuellen staatlichen und NGO-Entwicklungsprojekte stimmen mit dieser Entwicklungstheorie überein.

Es gibt einen starken gesellschaftlichen konstruktiven Aspekt, westliche Interessen leiten die Richtung und Ergebnisse der Entwicklungspolitik.

Entwicklung reflektiert die Muster der westlichen Hegemonie.


Hauptvertreter:



Das Verständnis, was wir von Entwicklung haben, entstand im frühkolonialen Diskurs:

Norden:    als fortgeschritten und progressiv;

Süden:      rückschrittlich, degeneriert und primitiv;

Ein neues Denken über Entwicklung begann 1949 mit Präsident Harry Truman: “Der alte Imperialistische Ausbeutung durch fremden Profit hat keinen Platz in unseren Plänen. Was wir im Blick haben, ist ein Entwicklungsprogramm, das auf dem Konzept fairen demokratischen Handelns beruht. (The old imperialism—exploitation for foreign profit—has no place in our plans. What we envisage is a program of development based on the concepts of democratic fair dealings.”

Was neu war, war, dass man Entwicklung als Gegensatz zu Unterentwicklung definierte d.h. dass 2/3 der Welt als unterentwickelt gilt und dass die Menschen außerhalb ihrer Kulturen nach der Rettung durch den Westen scheuen müssen.

Nach dieser Theorie ist Entwicklung ein Euphemismus, der benutzt wurde, um die Nachkriegshegemonie der USA zu begründen.

Die Ideale der USA und Entwicklungsprogramme der USA und ihrer westeuropäischen Verbündeten


Postdevelopment Theorie

Führende Mitglieder der Postdevelopment Schule argumentieren, dass Entwicklung immer ungerecht, niemals nutzte und nun gescheitert ist.

Wolfgang Sachs: "the idea of development stands like a ruin in the intellectual landscape" and "it is time to dismantle this mental structure." (“Die Idee der Entwicklung stand für einen Ruin in der intellektuellen Landschaft.“ Und „es ist Zeit, diese mentale Struktur zu demontieren.“)
Ein Beispiel für diese mentale Struktur ist das Konstrukt der globalen Armut.

Vorstellung, dass man Armut messen kann am Durchschnitt aller Nationen, und dass man Nationen nach ihrer Größe des BSP als arm einteilt, ist ziemlich neu.
In nicht industriellen Gesellschaften wird Armut nicht mit menschlicher Unzulänglichkeit identifiziert.

Ganze Nationen und Kontinente wurden dazu getrieben zu glauben, dass sie arm wären und Hilfe bräuchten, da ihr Prokopfeinkommen unter dem universell festgelegten war.


Kritik des Ethnokzentrismus


Hauptthese der Postdevelopment: westlicher Lebensstil und die Lebenseinstellung der Mittelklasse (Kernfamilien, Massenkonsum, Leben in Vororten und einem ausgeweiteten privatem Raum) ist kein wünschenswertes Ziel für die ganze Weltbevölkerung.

In diesem Sinne wird Entwicklung gesehen als Verlust, Befreiung anstatt des Ethoncids der Indigenen.


Gustavo Esteva


> Indem die Industrieländer als entwickelt und die restliche zwei Drittel der Welt als unterentwickelt definiert werden, wurde legitimiert, dass der
   entwickelte Teil Menschheit in den der unterentwickelten Völker eingreifen kann.

> Instrumente:


Entwicklungspolitik;

Entwicklungszusammenarbeit;

Entwicklungshilfe;


> Westliche Werte als Standards, an die sich der Rest der Welt anzupassen hat, um den Aufstieg in die westliche Welt zu schaffen.


> Durch die Definition von entwickelt und unterentwickelt war Kolonisierung erst möglich und legitimiert.

> Kapitalistische Wirtschaftssystem als naturgegeben definiert.


> Die Idee der Entwicklung ist in der Gesellschaft immer konkrete Wirklichkeit, in positiver Konnotation.


> Dadurch sind Indsutrieländer in der Lage gewesen, Kontrolle über die Welt auszuüben und diese doppelt zu legitimieren:

Entwickelte Länder wollen helfen, dass sich andere entwickeln:

Entwicklungsländer wollen sich entwickeln und nehmen sich selbst als unterentwickelt wahr;


Aram Ziai

Entwicklungspolitik aus diskursanalytischer Perspektive


> Methode der Diskursanalyse in der Untersuchung der Entwicklungstheorien;

> Damit Kritik der Modernisierungstheorien und der Entwicklungspolitik und Good Governance;

> Grundbegriffe der diskursanalythischen Methode:


Formationsregel;

Dispositiv;

Strukturelle Verbindung zwischen Diskurs und Machtausübung;

Wahrheit und Wissen sind an die Machtverhältnisse und Machtwirkungen gebunden;


> Diskursanalythisch durchforstet werden:


Kontinuität zwischen dem kolonialen und Entwicklungsdiskurs bis in die 1980er Jahre;

Entwicklungspolitische Konzepte der 1990er Jahre, vor allem good governance und global Governance und ihre Anwendung durch die Weltbank und rot-grüne Entwicklungspolitik der globalen Strukturpolitik;

Analyse der postdevelopment-Ansätze:

Ähnlichkeit zwischen Kolonial- und Entwicklungsdiskurs, beide sind eurozentristisch und bergen ein Gewaltpotential in sich. Die Welt wird in einen überlegenen und unterlegenen Teil dividiert;

Gegensätzliche Subjektidentitäten werden konstruiert. Im Kolonialdiskurs gilt der weiße Mann als Maßstab im Entwicklungsdiskurs  die entwickelte Industriegesellschaft, an erster Stelle die USA;

Ordnung des Entwicklungsdiskurses nicht nur in Modernisierungstheorie , auch in Dependenztheorie, Vorstellung von einem linearen und universellen Entwicklungsprozess im Rahmen eines Entwicklungsdispositivs, er gilt nur als legitim, wenn er von Experten verbreitet wird.


> Verschiebung des Entwicklungsdiskurses anlässlich der Entwicklungskrise der 1980er Jahre;

> Good governance, global governance und globale Strukturpolitik;

> Einbeziehung neuer Elemente - Entstehen Spannungsverhältnisse im Diskurs;

> Global Governance Diskurs – Spannung zwischen ethischer Fundierung der Politik (globale Politik ist im Interesse der Menschheit) und einer
   effizienzorientierten Vision des Staates, postuliert Konfliktlosigkeit der Politik, Interessenidentität aller Beteiligten:


Armutsbekämpfung sei im Interesse der globalen Wirtschaftsförderung, wie Weltbankdiskurs und Armutsbekämpfung;


> Konsensgeprägte Politikvorstellung: Unterschied zwischen governance und Governementalität, geht von Auseinandersetzung zwischen
   ungleichen Interessen aus.


> In der Untersuchung der governance-Begriffe institutionelle Anwendung stützt sich Ziai auf Foucaults Verbindung  zwischen Macht und Wissen.


Diskursanalytische Kritik der Postdevelopment-Ansätze

> Unterscheidung zwischen rivalisierenden Diskursen des Postdevelopment-Ansatzes;

> Unterscheidung zwischen skeptischen und neopopulistischen Diskurs;

> Neopopulistischer Diskurs (Alvarez):

> Antimodernistisch und Überbewertung der Tradition;


> Skeptischer postdevelopment-Diskurs (Escobar): für ein Projekt der radikalen Demokratie nach dem postmodernen Ansatz von Laclau und Mouffe
   mit emanzipatorischen Potential;

> Ziai ordnet sich hier ein;



> Nach Bedeutung des Begriffs fragen, nach Regeln, Ausschlussmechanismen, Verwobenheit mit gesellschaftlichen Machtverhältnissen;

> Anwendung poststrukturalistischer und postkolonialer Methoden auf das Feld der Entwicklungspolitik;

> Ordnung des Entwicklungsdiskurses, dabei wichtige Aspekte, die in traditionellen Analysen unterbelichtet bleiben;

> aktuelle Diskurse - zu Globaler Strukturpolitik und Governance, der Armutsbekämpfung der Weltbank;


Ähnlich wie die postdevelopment – Ansätze gestalten sich postneoliberale Ansätze sozialer Bewegungen, besonders in Lateinamerika, die ich nach der Strategie und Theorie des Tanzanianischen Präsidenten Julius Nyerere benannt habe. Er erfand das Prinzip des Self Reliance, was so viel heißt, wie das „Stützen auf die eigenen Kräfte“ oder wörtlich übersetzt „Eigenständigkeit“.


Diese Theorie, die auch gleichzeitig in eine Entwicklungsstrategie umgesetzt wurde, entstand in Tanzania im Zusammenhang damit


Ausgehend von der Erfahrung, dass das exportgeleitete Entwicklungsmodell für die Entwicklungsländer nach der Unabhängigkeit keine Verbesserung ihrer wirtschaftlichen und sozialen Situation brachte, sondern nur eine Art Ausverkauf stattfand, von dem vor allem die westlichen Importnationen und Handelsunternehmen profitierten, sah  Self Reliance vor, den Export zu begrenzen und die Ressourcen für das eigene Land zu nutzen.

Alternative Ansätze im Verständnis von Entwicklung Postdevelopment und postneoliberale Self Reliance

Postdevelopment, Post-development oder anti-development ist Ideologiekritik.


Im Zentrum stehen die Kritik des Begriffes Entwicklung.

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